6. Februar 2013

Die persönliche Stellungnahme


http://www.piratenpartei-hessen.de/piratengedanken/2013-02-04-wir-wollen-wahlkampf-im-sinne-der-piratengrundwerte
Viele von uns haben gesagt, sie sind "Politiker" aus Notwehr geworden, gegen ein System, dass nicht hinnehmbar ist. Ich bin nicht bereit, diesen Kampf aufzugeben, nur weil sich Teile dieses Systems plötzlich "Piraten" nennen.
Die Reaktionen auf die persönliche Stellungnahme der Piraten im Landesvorstand Hessen waren wie erwartet zahlreich, dennoch ist der klassische Shitstorm ausgeblieben. Es war windig, aber die Zahl derer, die sich vom Inhalt angesprochen und bestätigt fühlen, waren in der Mehrheit. Von den Kritikern wurde vor Allem vorgebracht, dass...

1. ...der Text nicht mit der Basis via vMB abgestimmt war

Naja, es ist eben die Natur einer persönlichen Stellungnahme, das sie persönlich ist. Jedem, der der Meinung ist Vorstände seien während ihrer Amtszeit zum Schweigen verpflichtet, sei sanft an die Stirn getippt.

2. ...der Text nicht konstruktiv gewesen sei

Richtig, er hatte auch diesen Anspruch nicht, denn es ging darum ein Zeichen zu setzen, öffentlich Position zu beziehen und dem Frust ob der anhaltenden Tendenzen zu Politik 1.0 Ausdruck zu verleihen.

3. ...die Schreiber im Namen Ihres Amtes geschrieben haben und damit nicht besser seien als die von ihnen kritisierten

An der hierarchischen Fixierung in den Köpfen der Menschen ist nur schwer etwas zu ändern, man kann sie paradoxerweise aber nutzen um sie zu bekämpfen. Man muss sich dabei immer die Ziele anschauen, die die vermeintlich "höher gestellten" damit verfolgen. Sind es welche, die der Gemeinschaft zu mehr Recht verhelfen sollen oder nicht? Sind es Mahnungen, Aufrufe oder Festlegungen und Bestimmungen? Jeder hat dafür ein Gespür und sollte es nutzen.

3. ...der Text eigenmächtig auf die hessische Website unter einem falschen Label eingestellt wurde

Der Vorstand ist per se verantwortlich für den Inhalt der Website, siehe Impressum. Warum sollte er denn dann nicht einen eigenen Text einstellen, der zudem gar eine persönliche Stellungnahme aller Vorstandsmitglieder ist? Die Frage warum nicht als Piratengedanke ist berechtigt und wurde inzwischen auch geändert.

Aber hätte der Vorstand den Text als Piratengedanken "einreichen" sollen, wenn er eh dafür verantwortlich ist? Warum werden eigentlich inzwischen in der Piratenpartei Hessen die Gedanken der Mitglieder von einer kleinen Gruppe (AG Öffentlichkeitsarbeit) "zensiert", wenn der Inhalt nicht dazu geeignet ist die Partei in einem möglichst idealen Licht darzustellen, obwohl im Kopf der Seite ausdrücklich steht, dass "Piratengedanken Berichte, Kommentare und Meinungen unserer Mitglieder (sind). Diese Einzelmeinungen sind nicht zwangsläufig Parteimeinung!".
Und das allertraurigste: Wir merken es selbst schon nicht mehr, dass wir längst nicht mehr nur auf dem Weg sind, eine Altpartei zu werden sondern schon lange eine sind. Weil wir genau so arbeiten und genau so funktionieren wie die Politiker, die wir noch vor eineinhalb Jahren genau deshalb ablösen wollten.

4. ...der Text "Fäkalsprache" enthält

Ja, tut er und das ist auch gut so, denn die Zeit des Schönredens ist vorbei. Ein Wort sagt manchmal mehr als tausend und ist ein Statement besonderer Art, ehrlich und geradeheraus. Kein politikverdrehtes Geschwurbel mit möglichst vielen Nebensätzen. Diese Ehrlichkeit braucht es und wir wurden dafür einmal zur Hype-Partei.

5. ...es wenig hilfreich sei den Streit öffentlich auszutragen

Wir sind öffentlich und waren es auch immer, Stichwort Transparenz und dergleichen. Wir brauchen den Mut und leider auch die Zeit uns mit uns selbst zu beschäftigen, denn die 20.000 Mitglieder und die dazugehörigen 20.001 neuen Meinungen müssen erst einmal verarbeitet werden, ganz zu schweigen von den Egomanen, Karrieristen und Ewiggestrigen, die wir als Hypepartei angezogen haben wie das Licht die Motten.

Das sich eine Gruppe, und sei sie noch so klein, in Allem einig ist, ist Utopie, aber so zu tun als wäre alles in Ordnung und volle Konzentration auf die Wahlen (Lechz, Lechz) ist Bullshit. Gib einem kleinen Schimpansen eine Megadosis Wachstumshormone und Du kannst sehen was da für ein merkwürdiges Wesen herauskommt. Mitnichten ein fingerfertiger Gorilla mit Doktortitel.

In einer der kritischen Mails merkt jemand an, dass "Wunden aufgebrochen wurden, die wir momentan ja in einem eigentlich guten gemeinsamen Konsens zusammengehalten haben ... und das zu einem Zeitpunkt wo unsere erste Aufstellungsversammlung nicht mehr weit ist".
Haben wir das, einen guten gemeinschaftlichen Konsens? Oder ist das nicht eher Wunschdenken derer, die 6,5% für die Bundestagswahl ausgerufen haben bzw. (Lechz, Lechz) möglichst weit oben auf der Kandidatenliste stehen wollen? Klarer als mit einer solchen Aussage kann man die eigene Intention nicht ausdrücken!

6. ... ähm ja ... auch nach mehrmaligem Lesen aller kritischen Mails - da war nicht mehr wirklich viel, außer...

- Not my LVor
Passt schon

- fühl mich nicht repräsentiert
Nicht schlimm. Geht uns allen mal so.

- Das geht gegen den pösen BuVor.. das ist super toll wichtig
Ja, anscheinend schon: http://www.sueddeutsche.de/politik/piratenchef-schloemer-wir-muessen-koepfe-zeigen-1.1589369

- ein paar (laute) Leute machen noch keine Revolution
Aber was wenn alle schweigen? Laut sind zur Zeit nur diejenigen, die uns als Partei No. 6 ins Establishment überführen wollen. Wo ist der Aufschrei derer, die sich als Notwehrpolitiker verstehen?

- damit tun wir uns wirklich keinen Gefallen
Nein? Nicht? Womit denn dann? Schweigen, schmollen, austreten, aufgeben?

Quo vadis?

Ich habe in meinem Kopf zwei Listen: eine für Mitglieder und eine andere für Piraten und sowohl die eine als auch die andere Liste werden länger ... sehr interessant zu beobachten. Die nächsten Wochen und Monate werden zeigen welche Liste welches Gewicht bekommt. Dabei spielen für mich die anstehenden Aufstellungsversammlungen und schlußendlich die Wahlen eine wichtige Rolle, denn da entscheidet sich, ob ich eine Mehrheits- oder Minderheitsmeinung habe, was direkte Auswirkungen auf mein derzeitiges Amt als GenSek haben wird, denn ich werde nicht den Steigbügelhalter spielen für Positionen die ich ablehne.

Egal wie es kommt, Tor A: "Oh jaaa, endlich wieder mehr Zeit für's Privatleben" oder Tor B:"Ja, für echte Piraten arbeite ich gerne", Ihr, die Ihr die Piratenpartei mißbraucht und sie vor euren persönlichen Karren spannt, habt den Zonk, denn ich werde immer da sein, um euch die Hölle heiß zu machen, denn ich bin Pirat!

[Update 18. Februar 2013: Das Blog musste umziehen, weil der alte Betreiber Posterous den Betrieb einstellt. Leider war es nicht möglich die Kommentare umzuziehen]